Tracklist
1. Mummenschanz
2. Ohne Worte
3. Seiland
4. Exodus Now
5. Chrüzegg
6. Lizzy
7. In Aufruhr
8. Nightbirds
9. Kalte Eiche
10. Am Buachaille
Press Release (English)
The cover depicts the burning letters of “Ursprung” before an icescape. So in the beginning there was fire? No, in the beginning there was no Ursprung, no origin, no one single thing that explains it all. There were two: friends who created the terms of their friendship themselves, without any assumptions. Ursprung – written in a crossed-out font – is a project by Stephan Abry and Hendrik Weber. Their time together elapsed slowly, spent in different places, in various secret chambers from North Cape to Walensee. The music that came it of exudes a freedom of the kind that is impossible to achieve alone but rather only in the company of others. In dialogue, Abry and Weber translate organic structures into patterns without parsing it all down to the last plausibility. Sometimes we have the sense that a piece is nearing the end before it ever really began. The fringes and loose ends are intentional and evoke Krautrock and Kosmische Musik. Because Abry and Weber, too, are concerned with escaping hierarchical structures. Ursprung’s music is influenced by a “defection” (Paolo Virno), by a revocation of the self. The song title “Exodus Now” is thus indulgently programmatic. What happens happens, and music is everything that is the case. In this sense the proximity of friendship translated itself into music, which the musicians’ intentions seem to transgress from time to time. Which, thank God, doesn’t lead to any of the irritating, excessive detours of Krautrock or some of its new hypnagogic derivations. Abry and Weber don’t amalgamate anything; the instruments sound transparent and discrete. Fluctuant atmospheres peel away from the non-hierarchical combination of acoustic guitar, e-bass, e-guitar, and synthesizer. Certain voices subside and disappear again before they truly arrived. Shy choirs and elongated drones steal across byways among the layers of sounds. Of course, many of the sounds are historically coded. Brian Eno, Cluster, Robert Fripp, Harmonia come to mind; some of Abry’s guitar passages recall Durutti Column’s eccentric ambient interpretations; and not lastly we hear African music. But despite its symbolic nature, this music seems uniquely innocent and immediate. Not only in the explicit sounds let in from outside (in one instance a dog bites bamboo) does it deal with a kind of non-regressive relationship to nature. Pieces such as “Ohne Worte” and “Seiland” sound raw and uncooked; their natural texture is inherent, bending, contracting, expanding, and tautening. But it still tastes more of luxury than of asceticism because Abry and Weber like luxurious details: a sweet rustle, a distant roxy-music feel, or a suggestive bass that conjures a midnight paradise. In moments like these, our powers dissipate. Then we ask ourselves, somewhat perplexed: where are these intangible tones emerging from? But we already know that inquiring about the origin, the Ursprung, is superfluous. Removing one mask only reveals another. Kosmische Musik indeed; the truth is always elsewhere. – Aram Lintzel
Press Release (Deutsch)
Das Cover zeigt den real brennenden „Ursprung“-Schriftzug vor einer Eislandschaft. Am Anfang war also das Feuer? Nein, am Anfang gibt es keinen Ursprung, kein Einziges aus dem sich alles erklärt. Da waren Zwei: Freunde, die sich die Bedingungen ihrer Freundschaft selbst und ohne Voraussetzungen schaffen. Ursprung – auf dem Cover in durchgestrichener Type geschrieben - ist ein Projekt von Stephan Abry und Hendrik Weber. Zusammen haben sie einige Zeit verstreichen lassen, an unterschiedlichen Orten, in geheimen Kammern vom Nordkapp bis zum Walensee. Die Musik, die dabei entstanden ist, verströmt eine Freiheit von der Art, wie sie nie alleine sondern nur mit anderen möglich ist. Im Dialog übersetzen Abry und Weber organische Strukturen in Patterns, ohne deshalb alles bis zur allerletzten Plausibilität auszuformulieren. Manchmal hat man das Gefühl, ein Stück geht dem Ende entgegen, bevor es richtig angefangen hat. Die Fransen und losen Enden sind gewollt und erinnern an Krautrock und Kosmische Musik. Denn auch Abry und Weber geht es um die Flucht vor hierarchischen Anordnungen. Eine „Bewegung des Abfallens“ (Paolo Virno), ein Sich-Entziehen prägt die Musik von Ursprung. „Exodus Now“ heißt ein Songtitel denn auch überzogen programmatisch. Was passiert, passiert, und Musik ist alles, was der Fall ist. In diesem Sinne übersetzt sich die freundschaftliche Nähe in eine Musik, welche die Intentionen der Musikern ein ums andere Mal zu überschreiten scheint. Das führt gottlob nicht zu jenen Verschwurbelungsexzessen, wie sie an Krautrock und manchen seiner heutigen ‚hypnagogischen’ Neuinszenierungen nerven. Denn Abry und Weber verkleistern nichts, die Instrumente klingen transparent und diskret. Aus dem herrschaftsfreien Zusammenspiel von akustischer Gitarre, E-Bass, E-Gitarre und Synthesizer schälen sich sodann schwankende Atmosphären heraus. Bestimmte Stimmungen senken sich herab und verflüchtigen sich schon wieder, bevor sie richtig angekommen sind. In die Klangschichtungen stehlen sich über Seitenwege schüchterne Chöre oder verhaltene Drones. Sicher sind viele der Sounds historisch codiert, wir denken an Brian Eno, Cluster, Robert Fripp, Harmonia, bei einigen von Abrys Gitarrenpassagen an die schrullige Ambient-Auslegung von Durutti Column und nicht zuletzt an afrikanische Musik. Doch bei aller Zeichenhaftigkeit erscheint diese Musik auf eine eigenartige Art unschuldig und unmittelbar. Nicht nur bei den konkreten Klängen, die von „draußen“ eingelassen werden (einmal beißt ein Hund auf Bambus), geht es um so etwas wie ein nicht-regressives Verhältnis zur Natur. Stücke wie „Ohne Worte“ oder “Seiland“ klingen roh und ungekocht; sie tragen naturalistische Texturen an sich, die sich wölben und zusammenziehen, weiten und straffen. Trotzdem schmeckt es mehr nach Überfluss statt nach Askese, weil Abry und Weber luxuriöse Details mögen: ein süßes Rauschen, ein fernes Roxy-Music-Feeling oder einen suggestiven Bass, der nächtliche Paradiese herbeizaubert. In solchen Momenten dürfen die Kräfte sich verschwenden. Ein wenig ratlos fragt man sich dann: Woher kommen diese ungreifbaren Klänge eigentlich? Nun, die Frage nach dem Ursprung erübrigt sich wie gesagt. Hinter jeder Maske kommt nur eine weitere Maske zum Vorschein. Kosmische Musik eben, die Wahrheit liegt immer andernorts. – Aram Lintzel
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